Die Konfirmationen beginnen – ein Artikel aus dem “Freien Wort”

konfis3Am Sonntag beginnen im Kirchenkreis die Konfirmationen – 115 Mädchen und Jungen bekräftigen damit persönlich das Bekenntnis, das ihre Eltern und Paten bei ihrer Taufe ablegten

Fürs Leben viel mitnehmen

Floh-Seligenthal. Stromausfall. Ausgerechnet zur Konfirmation. „Kein Witz – wir haben richtig Panik bekommen, wir als Konfirmanden wollten zwei Lieder singen – das war vorbereitet“, erinnert sich Joy Möller. Und außerdem war der Gottesdienst den jungen Leuten megawichtig, eben weil sie darin symbolisch in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen werden sollten. „Wir haben uns tierisch gefreut und waren richtig aufgeregt“, weiß Joy noch genau. Am Ende ging glücklicherweise alles gut. Zehn Minuten vor Beginn des Konfirmationsgottesdienstes war das Energieproblem gelöst. Noch heute, ein Jahr danach, denkt Joy gern an diese Episode, aber auch an den sehr festlichen Konfirmationsgottesdienst zurück. Und natürlich an das sich anschließende Fest mit ihrer Familie. Ihre Patin war extra aus Bayern angereist, die Oma hatte ihre Pension festlich hergerichtet, so dass mit 30 Gästen gefeiert werden konnte. Bereits die Vorbereitungen auf das Fest waren für Joy damals sehr spannend gewesen. „Wir haben gemeinsam Einladungen entworfen, mein Kleid ausgesucht, die Dekoration zusammengestellt, da musste alles passen – auch beim Eindecken der Tische habe ich mitgeholfen“, berichtet die 15jährige. Am Festtag selbst war die Gymnasiastin überwältigt von den vielen Geldgeschenken aus dem Dorf. „Teilweise kannte ich die Leute, die mir gratuliert haben, gar nicht.“ Außerdem bekam sie gleich zwei Reisen geschenkt. Eine führte sie gemeinsam mit ihrer Mutti fünf Tage nach Paris, die zweite war eine Sprachreise nach Malta. Im Programm stand sie im Herbst. Joy reiste erstmals allein, war für sich selbst verantwortlich. „Das hätte ich nie gedacht, einmal allein auf so ne kleine Insel zu reisen – ich hab mich getraut und ich hab mich ziemlich frei gefühlt“, sagt sie heute und weist auf das Erwachsenwerden hin. Gleich nach der Einsegnung im Konfirmationsgottesdienst habe sie sich zwar auch nicht anders als vorher gefühlt. Im Laufe der Zeit danach aber sei sie schon selbständiger geworden, erwachsen eben. Und was ist mit dem Glauben? An den wurde Joy durch ihre Familie herangeführt. Seit der Schulzeit war sie bei besonderen Gottesdiensten immer dabei, sang im Kinderchor mit und besuchte freilich auch die Konfirmandenstunden regelmäßig. Natürlich galt es, in Vorbereitung auf das große Fest eine Menge zu lernen. „Lieder, die zehn Gebote, Psalm 23, das Vater unser, das Glaubensbekenntnis“, erzählt Joy und fügt hinzu: „Die Liste war lang.“ Richard Wirsing und Julia Eff, die am Sonntag in Struth-Helmershof konfirmiert werden, haben dies auch schon hinter sich. Natürlich wurde das alles zusätzlich zum Schulstoff gelernt. „So nebenbei“, sind sich alle Drei einig. Viel hat sich schon deshalb eingeprägt, weil man sich damit in den Konfistunden auseinandergesetzt und etliche Dinge auf sein eigenes Leben bezogen habe. „Zum Beispiel haben wir die Bergpredigt ganz ausführlich besprochen“, weiß Joy noch genau. Auch die Konfirmandenfahrt ist ihr noch in guter Erinnerung. „Da wurde die Kerze gestaltet und der Konfirmationsspruch ausgesucht.“ Auch Richard und Julia sind diesbezüglich schon fit. Der Countdown auf das Fest hat längst begonnen. Die Konfirmandenprüfung haben sie bestanden. Die Hektik im Vorfeld des Festes nimmt auch allmählich ab. Richard hat sich völlig unkompliziert einen Anzug ausgesucht. Bis Julia ihr Kleid gefunden hatte, vergingen glatt zwei Wochen. „In der Kirche wird es am aufregendsten“, meint die Achtklässlerin und fügt hinzu: „Hoffentlich knicke ich in meinen Schuhen nicht um.“ Spannend wird die Feier im Familienkreis auch, weil Julia Eff vor allen Gästen reden wird. Für sie ein erstes Zeichen der steigenden Wertschätzung. „Ich denke man hat nach der Konfirmation schon mehr Verantwortung“, sagt sie. Die Vorbereitung auf dieses Fest war allen drei Jugendlichen wichtig. „An den Konfistunden fand ich ganz schön, dass wir unsere Meinung sagen durften“, wirft Joy zwischendurch ein und Richard meint: „Bei uns im Ort ist es Tradition, die Konfirmation mitzumachen – würde ich das nicht tun, würde es meiner Oma das Herz brechen.“ Den Unterricht vor der Konfirmation fand er hin und wieder nicht so schlecht. Und das, was er in den Gottesdiensten – insgesamt 40 sollten angehende Konfirmanden innerhalb von zwei Jahren besuchen – gehört habe, habe ihn nicht dümmer gemacht. „Ich konnte für mein Leben immer was mitnehmen, man denkt ja auch nach“, meint Richard. Ein weiteres sehr schönes Erlebnis für Julia und ihn sei die Feier der Heiligen Osternacht gewesen. „Unsere Pfarrer haben versucht, uns den Glauben näher zu bringen“, sagen alle Drei. „Man hat schon andere Sichtweisen kennengelernt und viel nachgedacht“, steht für Joy fest. Richard merkt an: „Früher war man mehr an Gott gebunden“. Julia nickt. Richard und Julia freuen sich auf ihren großen Tag und wissen, dass die Konfirmation den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter darstellt. Wörtlich übersetzt bedeutet der lateinische Begriff Konfirmation Bestärkung. Die Mädchen und Jungen bekräftigen damit ihr Taufgelübde. Das haben Eltern und Paten stellvertretend für die Täuflinge vor Jahren abgelegt. Mit der Konfirmation ist es an der Zeit, dass die Jugendlichen zunehmend für sich selbst entscheiden. Die Konfirmation steht am Ende zweier Schuljahre, in denen die Mädchen und Jungen an die jeweilige Kirchengemeinde herangeführt werden, begreifen, was christlicher Glaube ist und die Grundlagen desselben vermittelt bekommen. Ob sie nach dem großen Fest in ihren Gemeinden weiter aktiv mitwirken, kann jeder selbst entscheiden. Joy beispielsweise geht sehr gerne zu wöchentlichen Kochen in Gemeindehaus nach Seligenthal. „Man trifft dort viele Freunde und es macht einfach Spaß“, sagt sie. Auch besucht sie mit ihren Eltern Gottesdienste nach wie vor ganz gern. Wie sich Richard und Julia entscheiden werden, wird die Zeit zeigen. (Bild und Text: Annett Recknagel)

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