Predigt-Slam in der Stadtkirche

WP_20170422_19_40_54_ProDas gab es in Schmalkalden bisher noch nicht: Predigten als „Slam“ vorgetragen. 
Nach einem nur eintägigen Workshop an historischem Ort sollte zum Thema der Versuchungsgeschichte „geslamt“ werden.
Von heute morgen um 10 Uhr an trafen sich Interessierte. Sie ließen sich auf verschiedene Übungen ein, die vermitteln sollten, wie man in Sprache und Schrift improvisiert. Von Mittag an wurde dann am Text gearbeitet. Während Einige ihre Texte in Teilen schon mitgebracht hatten, hatten andere erst am Nachmittag die Gelegenheit zum Dichten. Um so erstaunlicher war es, dass sie am Abend das Wagnis eingingen, ihren Beitrag vorzutragen.
Bo Wimmer führte erfrischend durch den Abend. Zunächst wurde das Publikum animiert, den Applaus zu üben. Eine fünfköpfige Jury wurde gebildet und gab 1-10 Punkte entsprechend der Lautstärke und der Begeisterung, die sich durch Applaus und sonstigen Jubel zeigte .
Den Anfang machte Peggy aus Schmalkalden mit einem gereimten Slam, der Mut machte, durch den göttlichen Beistand der Versuchung zu widerstehen.
Beschwingter begann der zweite Slam von Bettina, in dem die Luther-Vermarktung den wirklichen Herausforderungen unserer Zeit gegenüber gestellt wurde. Gerade Luther-Figuren, Schokolade, Bier und vieles andere  mögen die Versuchung darstellen, das Anliegen  der Reformation gerade nicht zu verstehen… Es gab eine hohe Punktzahl.
Christiane aus Schmalkalden und eine Slammerin aus Bad Hersfeld gestalteten eine gereimte Predigt zum Text.
Der letzte Beitrag vor der Pause beschrieb die innere Zerrissenheit (den Engel auf der einen Schulter, auf der anderen der Teufel/Versucher), der letztlich nur die innere Stimme entgegengesetzt werden kann.

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Merkwürdigerweise hatte das Los entschieden, dass nach der Pause die Männer dran waren.
Michael wandelte nun ab: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch schmeckt gut“.
Steffen aus Kleinschmalkalden reimte nicht, aber sein Slam steckte voller bestechender Ideen. Er geißelt die Zweigleisigkeit: „…nicht ja, nicht nein, sondern jein“. Er erreichte sogar einmal 10 Punkte. Da aber die höchste und niedrigste Punktzahl nicht zählte, lag er im Mittelfeld.
Bodo, ein Berliner aus Offenbach, bewunderte, wie Jesus es ausgehalten hat, so lange zu fasten. Vielleicht wäre es nicht schlecht gewesen, wenn Jesus doch die weltliche Macht übernommen hätte, meinte er. Dann müsste man sich nicht mit den Diktatoren und Herrschern unserer Zeit rumärgern. 
Michael aus Bad Hersfeld (ein Theologe) sann darüber nach, wie die Werbung für ein 40 Tage -Fasten in der Wüste, für Bungee-Springen vom Kirchturm und Gebetsseminare mit absolut gesichertem Erfolg aussehen könnte und wie das heute zu vermarkten wäre. 
WP_20170422_21_14_19_ProDen Schluss machte Christoph aus Haindorf. Er erzählte die Versuchungsgeschichte nach mit eigenen Worten und sehr eindrücklicher Stimmführung. Obwohl es kein wirklicher „Slam“ war, beeindruckte er stark und erreichte eine hohe Punktzahl.
So gab es zum Schluss zwei Gewinner: Christoph und Bettina (mit dem zweiten Beitrag des Abends) mit gleicher Punktzahl.
Einen herzlichen Glückwunsch zu dem, was in so kurzer Zeit entstanden ist.

Zum Schluss stellte sich mir und manchem Zuhörer trotzdem eine Frage: Geht das überhaupt zusammen „slammen“ und predigen?  Manchmal hatte man den Eindruck, dass das Eine das Andere etwas behindern kann und der Versuch zu predigen, die Fantasie auf zu engere Gleise führt. Zumindest stand öfters die eigene Betroffenheit weniger im Mittelpunkt als allgemeine theologische Aussagen ausgesprochen wurden. Ein Slam und die Poesie lebt aber eher aus dieser inneren und eigenen Sicht der Dinge. Freilich gab es diesbezüglich viele gute Ideen, die dann wieder eine Predigt spannend und anregend machen können. Steffen Günther hat das wahrscheinlich am eindrücklichsten und deutlichsten vorgetragen. Letzteres dann aber noch in eine poetische Form zu bringen, erfordert dann noch immense Mühe und vor allem sehr viel mehr Zeit. So hat er es selbst ja auch gesagt. 

Aber – der Versuch war es allemal wert. Ein schöner Abend. 

Hier der Beitrag zum Thema der Versuchungsgeschichte von Steffen mit tollen Gedanken:

 

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