Krippenspiele

Wolfgang Schulte

Wolfgang Schulte

Breitunger Krippenspiel 2011

Mitspieler: Augustus, Sekretär, Josef, Maria, Rebekka, 3 Wirte, die Hirten Simeon, Ruben, Benjamin, Verkündigungsengel, Engelchor

Bei diesem Spiel findet die Herbergssuche in Breitungen statt! Die Namen der Gasthöfe können allerdings in anderen Orten entsprechend verändert werden.

1. Szene: Im Palast des Kaisers

Augustus:
Der Staat ist pleite, die Börse fällt.

Was können wir machen?

Woher kommt Geld?

Wem nehmen wir’s ab, den Starken, den Schwachen?

Wendet sich zur Seite.

Marcus, komm her, wir hab’n ein Problem.

Der Krieg wird zu teuer,

wie soll’s weitergehn?

Wie wär’s? Wir erhöhen die Steuer!

Sekretär Marcus kommt von der Seite.

Sekretär:
Mein Kaiser, ich weiß schon, die Kasse ist leer.

Ich hab’ ne Idee, zu decken die Kosten.

Das Volk hat noch Geld, wir kriegen mehr,

wenn wir sie zählen – besonders im Osten.

Ich weiß, eine Zählung ist nicht beliebt.

Warum aber soll’n wir sie schonen?

Am Besten, wenn jeder sich dorthin begibt,

wo seine Verwandten wohnen.

Augustus:
Nicht schlecht! Wieso fiel mir das nicht ein?

Die sollen nur bluten, die Leute.

Wenn wir mehr zählen, kommt mehr Geld herein.

Mach schnell einen Plan – am besten noch heute!

Sekretär:
Jawohl, mein Kaiser, wird gemacht.

Ich werde mich gleich drum kümmern.

Geht zur Seite – spricht zu sich selber.

Ich war ja dumm – hätt’ ich bloß nichts gesagt,

aber die Kleinen trifft’s eben immer.

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2. Szene: Marktplatz von Nazareth

Rebekka und Maria unterhalten sich.

Rebekka:

Schalom, Maria, lang nicht gesehn!

Ich hör’, du erwartest ein Kind.

Da sollte man doch verheiratet sein,

was nicht nur ich besser find’.

Maria:

Wir wollten ja schon, mussten die Hochzeit abblasen,

da ist was dazwischen gekommen.

Die Römer wollen uns zählen lassen.

Hast du’s noch nicht vernommen?

Rebekka:

Ich hab’ da mal was läuten hören

von wegen Abstammung und so.

Woher soll ich wissen, wohin wir gehören?

Ich weiß jedenfalls nicht genau, wo.

Maria:

Bei uns ist das anders, das kann ich dir sagen.

Josefs Ahnen stammen aus Bethlehem.

Dort müssen wir hin – zu Fuß, ohne Wagen.

Das ist alles andere als angenehm.

Wer weiß, ob uns dort noch jemand kennt –

wir sind doch fremd im Ort!

Und was wird dann mit meinem Kind,

wenn es geboren wird?

Rebekka:

Mit uns könn’ sie’s ja machen, die da oben.

Wir können uns nicht wehren.

Was nützt es, wenn wir den Aufstand proben

und gegen die Römer aufbegehren?

Maria:

Ich weiß es auch nicht, muss mich sputen –

der Joseph wartet schon daheim.

Schalom, Rebekka, wir müssen nach Süden.

Der Herr, so hoff ich, wird mit uns sein.

Gemeinde: Lied: Tochter Zion, freue dich 3

3. Szene: In Bethlehem

Marcus:

Da hab’ ich mir was ausgesucht –

den Stress und diese Hitze.

Im Ort ist alles ausgebucht,

seit ich für den Kaiser hier sitze.

Nun stehn sie Schlange, ich muss alles wissen –

von Geburtsort, Eltern, Beruf und so weiter.

Nichts darf man davon in den Listen vermissen,

aber sicher macht uns das auch nicht gescheiter.

Kurze Pause

Da kommt schon wieder ne Frau und ein Mann,

die dürfen das nicht verpassen.

He ihr, kommt mal her, ihr seid jetzt dran!

Ich muss eure Daten erfassen.

Die beiden treten heran, Sekretär wendet sich an Josef.

Wie ist dein Name, wo kommst du her?

Josef:

Ich heiße Josef, bin in Nazareth daheim.

Sekretär schreibt das in seine Liste.

Sekretär:

Und sie ist deine Frau, sie gehört zu dir?

Josef:

Nun ja, wie soll ich sagen, eigentlich ja und nein.

Sekretär:

Was soll das heißen, weißt du es etwa nicht?

Josef:

Wir sind erst verlobt, wollten schon verheiratet sein.

Doch dann die Zählung, wir hörten den Bericht,

und so schwer es uns fiel – wir mussten gehn.

Sekretär:

Ich seh schon, sie ist schwanger,

ziemlich schwach auf den Beinen.

Sie braucht ein Lager,

vielleicht keins von den feinen.

Ist heute der Ort auch rammelvoll,

ihr werd’ schon was finden,

das glaube ich wohl.

Sucht doch mal da hinten!

 

4. Szene: Herbergsuche

Maria:

Josef, Josef, ich kann nicht mehr stehn.

Unser Kind will kommen –

lass uns schleunigst gehn

zu deinen Verwandten, den Frommen.

Die kommen doch von David her –

ich kenn’ seine Taten und Lieder.

Ach, wenn er doch heute König wär’

und käme als Retter wieder!

Josef:

Mit den Verwandten – das ist lange her.

Die wohnten mal dahinten.

Die sind schon ewig nicht mehr hier.

Wir müssen was anderes finden.

Was meinte der Römer, als er uns hierher wies –

vielleicht ein Gasthaus, ob groß oder klein?

Da vorn ist schon eins – „Skaras“, wie ich les’.

Die lassen uns sicher ein!

Josef klingelt.

Wirt 1:

Guten Tag, mein Herr! Was darf’s denn sein?

Wie wär’s mit Essen und Trinken?

Wir haben Bier und feinen Wein,

vielleicht auch ein Brot mit Schinken?

Josef:

Das wär’ nicht schlecht, wir sind weit gelaufen.

Doch für uns beide suchen wir

einen Platz zum Schlafen –

am besten hier.

Wirt 1:

Das geht leider nicht – alles besetzt!

Aber geht doch mal weiter zur „Linde“!

Die hatten noch Platz, wie ich hörte zuletzt,

für dich und die Frau mit dem Kinde.

Josef und Maria gehen weiter.

Josef:

Guten Abend, Herr Wirt, wir sind völlig am Ende.

Haben Sie noch Platz für uns zwei?

Seht sie nur an: Das spricht doch Bände!

Bald sind wir nämlich drei.

Das Kind wird gleich geboren sein.

Nun seid so gütig, lasst uns ein!

Wirt 2:

Ich merke schon, ich bin in der Pflicht.

Ich hätte ja ein Zimmer.

Aber Heiligabend geht es nicht,

das müsst ihr verstehn – sonst immer!

Doch braucht ihr ein Bett, das sieht jedermann.

Da kann ich euch nur raten:

Im „Werraschlösschen“ klopft mal an!

Dort schmort schon der Gänsebraten.

Wenn’s im Haus nicht klappt, dann im Stall nebenan.

Maria:

Ist’s noch sehr weit?

Mir versagen die Knie!

Kein Mensch hier weit und breit!

Ich glaub’, das schaff’ ich nie.

Wirt 2:

Über die Brücke nur – ein kleines Stück –

auf der linken Seite ist’s schon.

Ich wünsch’ euch weiterhin viel Glück!

Ich wette, es wird ein Sohn.

Josef und Maria gehen weiter – Josef klingelt.

Josef:

Guten Abend, Herr Wirt, wir suchen schon lange

nach einem Nachtquartier in diesem Ort.

Wenn Sie uns nicht helfen, wird mir wirklich bange.

Schickt uns doch bitte nicht fort!

Wirt 3:

Na, ihr seid gut, in dieser Nacht –

da ham wir das Haus voller Gäste.

Wie habt ihr euch das denn gedacht –

heute zum Weihnachtsfeste? Kurze Pause

Doch wartet mal – da fällt mir ein:

Im Stall – da könnt ihr schlafen.

Da wird es warm und trocken sein

bei Kühen und bei Schafen.

Gemeinde: Lied: Es ist ein Ros entsprungen

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5. Szene: Hirtenfeld bei Bethlehem

Flötenmusik, Hirten ziehen auf.

Simeon:

Ist diese Nacht wie alle Nächte?

Warum ist mir so wunderlich?

Am Ende schreiben wir Geschichte!

Ehrlich gesagt: Ich fürchte mich!

Ruben:

Mit der Geschichte, das kann stimmen.

Hast du gehört von der Aktion,

die die Besatzer jetzt beginnen?

Die wollen was von unserm Lohn.

Benjamin:

Ich hab’s gesehn – im Ort da unten -,

wie die die Leute schikanieren.

Am besten ist’s, wir sind verschwunden!

Hier draußen kann uns nichts passieren.

Simeon:

Merkt ihr’s nicht auch? Da stimmt was nich’!

Die Schafe sind so unruhig heut’! Kurze Pause

Ach was! Ich täusch’ mich sicherlich!

Stößt Ruben an. Mach jetzt die Runde – es wird Zeit!

Wendet sich zu Benjamin.

Und – Benjamin – wir zwei gehn schlafen.

Jetzt wacht der Ruben bei den Schafen.

Simeon und Benjamin legen sich hin.

Musik: Vom Himmel hoch, da komm ich her

Ruben: Hält eine Hand hinter das Ohr und lauscht.

Simeon hat recht, dass diese Nacht

so anders ist – vielleicht die Wende!

Was hat das Leben uns gebracht?

Was bleibt uns denn am Ende?

Käm’ doch ein neuer David uns befreien

von aller Ungerechtigkeit

und würde bald sein Reich erneuen!

Das wär’ doch was! Ich bin bereit.

Engel ziehen auf mit brennenden Kerzen.

Ruben:

Was ist das plötzlich für ein Licht?

Welch Glanz, welch heller Schein!

Ein Feuerwerk ist’s sicher nicht.

Das kann doch nur ein Wunder sein.

Kommt Gott wohl selbst in diese Welt

von oben aus dem Himmelszelt?

1. Engel:

„Fürchtet euch nicht!

Siehe, ich verkündige euch große Freude,

die allem Volk widerfahren wird;

denn euch ist heute der Heiland geboren,

welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Und das habt zum Zeichen:

Ihr werdet finden das Kind

in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

Gemeinde: Lied „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’“

Ruben:

rüttelt Simeon und Benjamin wach.

Sie recken sich und gähnen.

Wacht auf, wacht auf, der Himmel brennt,

als hätt’ der Tag begonnen.

Auch, wenn es jetzt noch dunkel scheint –

der Heiland ist gekommen

in einem Kind. Ich fasse es nicht so schnell.

Nur Gottes Licht – das strahlt so hell.

Simeon:

Was du da sagst – das kann nicht sein!

Doch nicht bei uns auf Erden?

Gott stellt sich endlich bei uns ein,

soll wirklich Mensch uns werden?

Ruben:

Auch, wenn es nicht den Anschein hat –

Christus ist heut’ geboren.

In Bethlehem, in Davids Stadt,

direkt in unsern Toren.

Benjamin: Dann haben wir es doch nicht weit –

jemand muss uns vertreten.

Wir sollten gehn – ich bin bereit,

den Heiland anzubeten. Hirten brechen auf.

6. Szene: Anbetung der Hirten

Hirten kommen zur Krippe. Simeon klopft mit seinem Stock auf den Boden.

Joseph:

Wer klopft denn da an unsre Tür,

so mitten in der Nacht?

Der weckt uns noch den Esel hier,

wenn solchen Lärm er macht.

Simeon:

Verzeiht, ihr Leute, lasst uns ein!

Wir sind so froh zu finden

das Kind, das Frieden bringen kann,

von dem die Engel künden.

Joseph:

So tretet ein,

doch seid nur leise,

das Kind schläft schon,

die Mutter auch – ist müde von der Reise.

Ruben:

Wie ärmlich ist doch dieser Stall,

doch strahlt hier Gottes Licht

von diesem Ort nach überall –

die Augen sehen’s nicht.

Der Glaube nur kann’s recht erkennen

und dieses Kind den Heiland nennen.

Joseph:

Ich weiß, dass Gott mit unsrem Sohn

die Völker will erretten

von Egoismus, Größenwahn,

die Menschen an sich ketten.

Benjamin:

Drum wird er unsre Hoffnung sein,

jetzt und in spät’ren Zeiten.

Kommt, Freunde, lasst uns niederknien!

Den Herrn woll’n wir anbeten.

Hirten knien nieder.

Gemeinde: Lied: Stille Nacht

W. Schulte 2011

  • Vielen Dank für Ihre Zusendungen

    In der letzten Zeit sind wieder einige selbstgeschriebene Krippenspiele hinzugekommen. Vielen Dank für Ihre Beteiligung. Es ist sehr erfreulich, dass unsere Seiten so oft aufgesucht werden. Wenn Sie uns ein selbstgeschriebenes Krippenspiel zusenden, veröffentlichen wir es sehr gerne. Vielleicht wird es so noch öfter gespielt und die Mühe des Schreibens hat sich doppelt gelohnt. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir nicht die Zeit haben, den Kontakt zu den Autoren herzustellen und uns wirklich darauf verlassen müssen, dass Ihr zugesandtes Krippenspiel aus Ihrer Feder stammt. Ihr Dietmar Hauser
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