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Oesterreich-Orgel

Zur Geschichte der Orgel in der Pfarrkirche Floh

Die nunmehr restaurierte Orgel in der Pfarrkirche Floh ist die dritte Orgel an dieser Stelle. Mit der Erbauung der Kirche in den Jahren 1710 – 1712 wurde wahrscheinlich aus der Vorgängerkirche die Orgel in die jetzige Kirche übernommen. Laut Baurechnung von 1713 erhält der Orgelmacher Johann Röder aus Ernstroda für das Setzen der Orgel 62 Taler. 1728 wird von einem Orgelmacher Bastell berichtet, der eine schlechte Intonation der Orgel vorgenommen haben soll. Es muss sich um ein neues Instrument handeln, da in der Bauabrechnung von 1720 für eine neue Orgel 20 Taler als Ausgabe aufgeführt werden.

Angaben für die jetzige Orgel finden sich in den Gemeinderechnungen von 1788 und 1789. Es sind die ältesten Gemeinderechnungen, die erhalten geblieben sind. In den Ausgaben erscheint unter: „Geistl. Gebäude: Für die Neue Orgel dem Orgelmacher Östereich 561 Taler, Fuhrlohn für die Neue Orgel von Oberbimbach bei Fulda gelegen an Georg Danz und Valten Weisheit benebst dem Vorsteher Weg und Chausegeld 64 Taler, für Sigmund Kolbe und Martin Ullrich für Schmiedsarbeit 186 Taler, Balzer Danz vor Schlosserarbeit 71 Taler, Martin Danz und Moritz Peter vor Zimmerarbeit 36 Taler, vor Schreinerarbeit Ernst Huneck 10 Taler.“

In einem Attest vom 29.11.1788 wird Johannes Oesterreich verpflichtet, die Orgel bis 8 Tage nach Pfingsten des Jahres 1789 fertigzustellen. Ausgestellt ist dieses Attest vom Schuldheiß Joh. Georg Jobst, Vorsteher Joh. Jung, Organist Vierling aus Schmalkalden, Baudirektor Friedr. Armack und Pfr. Meurer in Floh. 1789 erhält Österreich nochmals 146 Taler für die Fertigstellung der Orgel. Bastian Liebaug bekommt Italer 15 gG für das Holen des Bildwerkes, Prospekt, von Fulda. Für den Bildhauer Schön erscheinen 18 Taler in den Rechnungen der Dorfschafft Floh von 1789. Am 3.6.1789 wird das Instrument durch die Herren vom Vorjahr abgenommen, mit der Bedingung, die vorhandenen Mängel im Probejahr zu beseitigen. Insgesamt hat die Orgel 1070 Taler gekostet, der Bau der Kirche 1710/12 kostete 3036 Taler.

Kirche Floh innen orgel Flohimg074

Die Pfarrkirche in Floh war als eine reformierte Kirche erbaut worden. Es wurde auf jeglichen Schmuck verzichtet, nur die Kanzel erhielt als einiges ein Schnitzwerk. 1743 wurde dieser Zustand durch eine farbige Ausmalung des Kircheninneren beseitigt. Die Malerei am Muldengewölbe ist noch aus dieser Zeit. Um mehr Platz für die Gemeinde zu erhalten, wurde 1764/66 die südliche Empore auf die heutige Größe verlängert und die Kanzel in die östliche Mitte des Altarraums gesetzt. Sie stand bis dahin am südlichen Pfeiler im Altarraum. Die Beschaffung von Glocken und einer neuen Kirchenuhr fallen mit dem Bau der Orgel in einen größeren zeitlichen Rahmen. 1814 erstellte Georg Friedrich Hilpert, ein junger Orgelbauer aus Floh, einen Kostenvoranschlag über die Reparatur und Änderung von Traktur und Bälgen sowie die Reinigung und das Stimmen des Instruments. Hierbei führte er die Disposition der Orgel an. Es sind 25 Register bei zwei Manualen, ein Pedal, Tremulant und Manualkoppel. Für ca. 100 Jahre wird nun die Orgel von den Orgelmachern Hilpert gewartet. Martin Friedrich Hilpert repariert 1851 mit 26 Jahren die Orgel und baut auf Vorschlag des damaligen Kantors Wolf das Register Flauto 4 Fuß auf einen noch freien Platz im Nebenwerk ein, zusammen mit Friedrich Martin aus Freienhagen im Fürstentum Waldeck. G.F. Hilpert war 1828 zum Orgelsachverständigen für die Kreise Hersfeld und Schmalkalden berufen worden.

M.F. Hilpert legte 1854 beim Hoforganisten Schuppert in Kassel die theoretische Prüfung als Orgelmacher ab. Das Aussehen der Kirche änderte sich 1862 grundlegend. Die Decke erhielt einen Kalkverputz. Die Wände wurden weiß getüncht. Nur der Schalldeckel der Kanzel, der Taufstein, die Emporenbrüstung und die Orgel erhielten einen extra Anstrich mit entsprechender Vergoldung. Diese Anstriche und Vergoldungen sind in der Kirche noch heute vorhanden und an der Orgel wurde er durch Dipl. Restauratorin Frau Jünger restauriert. Schwierige Zeiten für die Kirche und Orgel begannen mit dem Ersten Weltkrieg. 1917 mussten neben zwei Glocken ebenso die Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben werden. 1922 wurde das Geläut wieder vervollständigt, um 1942 wiederum um drei Glocken dezimiert zu werden. Sämtliche Glocken wurden 1954/55 ersetzt und das Kircheninnere in den Zustand von 1743 versetzt. Ebenso wurden ein neues Gestühl und eine Fußheizung eingebaut.

Aufgrund des Wertes der Orgel wurden 2002 die ersten Überlegungen für eine Restaurierung des Instrumentes in die Praxis umgesetzt. Mit einem Konzert des Liedermachers Siegfried Fietz begann die Kirchengemeinde Floh Spenden für die Orgelsanierung zu sammeln. Rückblickend haben wir eine interessante und schöne Zeit erlebt. Sie war angefüllt mit herzlichem Miteinander, Sich-Einsetzen für eine gemeinsame Sache, Sich-Menschlich-Näherkommen und der Gewissheit, dass wir etwas für uns sowie die späteren Generationen tun. Die Unterstützung war nicht auf Floh begrenzt, sondern erstreckte sich über große Teile unseres Landes. Am Ende erreichte das Spendenkonto die Höhe von 71.000 Euro, die Hälfte der Restaurierungskosten. Es bleibt an dieser Stelle nur noch Dank zu sagen allen, die gespendet haben. Kommenden Generationen wünsche ich Menschen, die sich ebenso für den Erhalt ihrer Kirche einsetzen.

Ein besonderer Dank geht an den langjährigen Organisten Franz Jung, der es verstanden hat, uns den Wert dieses Instrumentes durch sein Orgelspiel zu vermitteln.

Rainer Erbe, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, anlässlich der Wiedereinweihung der Orgel nach der Restaurierung 2008