Thema: Kirchensteuer (aus dem Kirchenblatt Floh-Seligenthal)

 

Kirchensteuer ist immer wieder ein heißes Thema. Viele ältere Gemeindeglieder, Schüler oder Studenten bekommen davon nur wenig mit, denn sie zahlen keine Steuer. Rentner werden um das freiwillige Kirchgeld gebeten, das bei uns ca. 55 Cent (!) im Monat beträgt.

imageAnders ist das bei denen, die Einkommenssteuer zahlen. Da beträgt die Kirchensteuer 9% von der Lohnsteuer (nicht vom Lohn!). Das kann – wenn man viel verdient und keine Kinder mehr zu versorgen hat – schon eine hohe Summe sein. Allerdings ist die Höhe der Kirchensteuer erst ersichtlich, wenn man die Steuererklärung fertig hat. Steuerliche Rückerstattungen gibt es dann auch bei der Kirchensteuer. Bei Unternehmern kann das bedeuten, dass einige Jahre, wenn viel abgeschrieben wird, nur sehr geringe Kirchensteuer anfällt. Wenn man nicht mehr so viel abschreiben kann, ist die Kirchensteuer sehr hoch. Das ist recht kompliziert, aber doch sehr gerecht. Denn es bedeutet, dass Familien mit Kindern und Geringverdiener nur wenig zahlen. Umgekehrt gilt aber auch, dass wer einen hohen Kirchensteuerbetrag zahlt, auch hohe Einnahmen hat.

Die Kirche oder besser die Kirchengemeinden leben von der Bereitschaft, dass Gemeindeglieder Kirchensteuer bezahlen. Ich wurde in der letzten Zeit oft gefragt, ob es nicht besser wäre, wenn man eine Spende an die Ortsgemeinde geben würde, als „der Kirche“ das Geld zu geben. Die Einnahmen aus der Steuer gehen an unsere Landeskirche. Davon werden in Kurhessen-Waldeck die knapp 1000 Pfarrer und noch sehr viel mehr kirchliche Angestellte finanziert. Wenn es in unseren Gemeinden im Kirchenkreis noch 17 Pfarrer gibt, die gut erreichbar vorort sind und als Seelsorger wirken können, dann wird das nur durch die Kirchensteuer ermöglicht. Nicht nur die derzeit tätigen Pfarrer sind dabei im Blick. Es wird auch für eine gute Ausbildung der angehenden Pfarrer gesorgt, die später in die Gemeinden kommen können.

imageEin nicht unerheblicher Teil der Kirchensteuer wird aufgewandt, um z.B. die Einrichtungen der Diakonie (im Kirchenkreis die Behindertenhilfe Trusetal und Fambach, Altenhilfezentren in Steinbach-Hallenberg, Breitungen und Schmalkalden, unsere Familienberatungsstelle), die Arbeit der Schmalkalder Tafel, sieben kirchliche Kindergärten, die Diakoniestation (Alten-, Kranken- und Tagespflege mit derzeit 138 Mitarbeitern) zu unterstützen. Auch die evangelische Grundschule wird durch Kirchensteuermittel unterstützt.

In den Gemeinden wird vieles ehrenamtlich mit viel Engagement geregelt. Kantoren und Kantorinnen, Chorleiter(innen) und Reinigungskräfte erhalten von der Kirchengemeinde Lohn oder mindestens eine Aufwandsentschädigung.

DSC00110In unserem Kirchenkreis wird eine aufwändige und ich denke auch erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit angeboten. Das Jugendhaus Walperloh ist unsere größte Einrichtung, aber auch die Ortsjugendpflege wird durch unsere Mitarbeiter(innen) in 5 Kommunen wahrgenommen. Betreute Jugendräume, Ferienspiele, Freizeiten, Alkohol- und Drogenprävention werden so ermöglicht und viele Kinder und Jugendliche erreicht . Dabei geht es uns nicht nur um die Beschäftigung junger Leute, sondern auch um die Vermittlung von Werten, die ihr Leben prägen und sie in die Lage versetzen sollen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Stellen der Jugendmitarbeiter werden durch die Kommune, den Landkreis und das Land Thüringen mitfinanziert. Für mehr als ein Drittel der Kosten, sowie die Sachkosten kommen unsere Kirchengemeinden auf. Alles das sind Arbeitsfelder, von denen diejenigen, die nicht bei der Kirche sind, ebenfalls profitieren.

DSC05590Letztlich geht es auch um Dinge, die stärker ins Auge fallen: Gemeindehäuser und unsere schönen alten Kirchen. Wir sind sehr dankbar, dass uns in Floh-Seligenthal die Kommune bei der Unterhaltung sehr unterstützt. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn wir versuchen, die Kosten zu minimieren, kostet die Beseitigung der Schäden, die durch den Hausschwamm verursacht wurden über 400.000 €. Die Kirchengemeinde Seligenthal könnte den hohen Eigenanteil niemals alleine aufbringen. Spenden helfen uns sehr, aber letztlich ermöglichen die Kirchensteuerzahler die Erhaltung dieser wertvollen Kirchen. So hoffen wir auch, schon im kommenden Jahr die dringenden Arbeiten an der Außenfassade der Floher Kirche zu beginnen.

Viele Bankkunden haben einen Brief erhalten, dass ein Teil der Kapitalerträge gleich von der Bank über das Finanzamt abgeführt werden könnten. Das hat leider für viel Verwirrung gesorgt, weil es den Anschein erweckt, als wollte die Kirche etwas vom Gesparten abhaben. Es geht bei diesem Schreiben nur um einen Verwaltungsvorgang, wie evtl. anfallende Steuern an das Finanzamt abgeführt werden. In der Regel haben wir gar keine so hohen Beträge bei der Bank und bei den derzeitigen Zinsen müsste man extrem hohe Einkünfte haben, um überhaupt Einkommenssteuer bzw. Kirchensteuer darauf zu zahlen. Die Kirche hat damit nicht das Geringste zu tun und wie man sich auch entscheidet, die Höhe der Kirchensteuer verändert das in keiner Weise.

Wer seine Steuerklärung macht, weiß, dass eine Spende von der Steuer absetzbar ist. Auch die Kirchengemeinde stellt selbstverständlich eine Spendenbescheinigung aus. Nicht alle wissen, dass auch die Kirchensteuer wie eine Spende abgeschrieben wird. Es ist ja ein freiwillig entrichteter Betrag – eben wie eine Spende, die die Steuerlast etwas senkt. Wenn jemand keine Kirchensteuern mehr zahlt, stellt er fest, dass er ein Drittel bis fast die Hälfte des Kirchensteuerbetrages nun an Steuern mehr bezahlt, da er viel weniger abschreiben kann.

Eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, aber aus Gesprächen weiß ich, dass vieles erklärt werden muss, damit unser Steuersystem etwas verständlicher wird. Und so habe ich das einmal mit meinen Worten versucht.

Im Übrigen können Sie in die Finanzen der Kirche Einblick nehmen. Sie sind öffentlich. Näheres finden Sie unter: http://www.ekkw.de/unsere_kirche/zahlen.html.

Der Haushalt unseres Gesamtverbandes wird nach seiner Verabschiedung durch den Kirchenvorstand öffentlich in den Pfarrämtern ausgelegt.

Letztlich – und das ist mir das Wichtigste – müssen wir allen Gemeindegliedern ganz herzlich danken, dass sie die kirchliche Arbeit sehr großherzig durch die Kirchensteuer, durch Spenden und Kollekten unterstützen.

Als Kreisjugendpfarrer weiß ich, dass es gerade für junge Leute gar nicht so leicht zu verstehen ist, dass alles, was in der Konfirmandenzeit, in der Jugendarbeit, aber auch in der sozialen Arbeit der Kirche bei uns geschieht, freiwillig finanziert wird und diejenigen, die das in aller Stille tun, im seltensten Fall ein Dankeschön hören.

Dieses Dankeschön möchte ich hiermit laut und deutlich aussprechen.
Ihr Pfarrer Dietmar Hauser

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