Ist das Heiligabend?

Zu Hause sitzen und nicht unter die Leute gehen. Kein lautes „oh du Fröhliche“. Kein reales Krippenspiel. Irgendwie kommt es mir seltsam und befremdlich vor. Es ist vieles, was ich vermisse.
Ich hatte mich gefreut am Nachmittag in einer kleinen Kirche in der Umgebung die Predigt zu halten. Der Kirchenvorstand hat sich nach vielem Hin und Her entschlossen, den Gottesdienst nicht durchzuführen. Sie haben es sich nicht leicht gemacht.
Ich denke über die Weihnachtsgeschichte nach:
Waren nicht Maria und Joseph auch ziemlich auf sich gestellt? Die Geburt war kein Event. Nichts lief wie geplant. Sie hatten keine Ahnung, was der nächste Tag brachte.
Die Hirten erzählten von den Engeln. Sie sagten den beiden, dass keine Weltverschwörung die Fäden des Lebens in der Hand hat, sondern das verborgene und geduldige Wirken Gottes. Für Maria eine Bestärkung, trotz der Umstände zu hoffen und geduldig zu bleiben.

Dabei fällt mir auf, dass in der Weihnachtserzählung im Lukasevangelium nicht einmal die Rede vom Gesang ist. (Auch wenn wir das Singen gerade zu Weihnachten so lieben und derzeit nicht dürfen). Es heißt, dass der Chor der Engel sprach: Ehre sei Gott auf der Erde und Friede auf Erden…

Auch der Verzicht auf die große Fete kommt vor. Wären die Weisen zurück zu Herodes gegangen, hätte es für sie wohl ein schönes Fest gegeben, denn er hätte sich sicher erkenntlich gezeigt für den Verrat. Um das Leben des Kindes zu schützen, verzichten sie auf den Kontakt und machen sich gleich wieder auf den beschwerlichen Heimweg.

Ja, es ist Heiligabend. Auch und gerade in unserer Situation sind wir ganz nah dran zu verstehen, was die gute Nachricht vom Heiligen Abend ist.

Umso mehr können wir uns dann darauf freuen, wenn wir wieder laut singen und in großer Zahl feiern können. Wir wissen es dann wieder besonders zu schätzen. Alles zu seiner Zeit.

Eines der schönsten Deckenbilder der Seligenthaler Kirche ist das Bild von der Flucht vor Herodes.
Es gehört eben auch zu den Weihnachtsbildern. Wir haben es zu wenig im Blick gehabt. Es zeigt die harte Realität und Vertrauen zu haben – das ermöglicht der Glaube.


P.S. Also schauen wir uns heute gegen Abend das Online-Krippenspiel an und staunen, wie viel Kreativität auch eine solche Zeit freisetzt.
So wünsche ich Euch / Ihnen ein gesegnetes Weihnachten und dann ein gesundes neues Jahr.

Dietmar Hauser und Familie in Apolda

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